Vampires de Paris
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Fortsetzung: Nächtliche Begegnungen ~ 13.07. ~ ab 21.30 h

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Beitrag  Natalja Nikolajewna Do Okt 16, 2008 4:33 pm

Die Tänzerin musste sich ein leises Seufzen verbeißen und tat es, indem sie einen weiteren Löffel Suppe nahm.
Er schien tatsächlich nicht gewillt zu sein, selbst etwas zu speisen zu bestellen. Es verstärkte ihr ungutes Gefühl, das sich seit ihrer Bestellung etwas gelegt hatte, wieder und gleichzeitig ließ es noch ein anderes in ihr hoch steigen. Eine gewisse Gleichgültigkeit.
Gut, sollte er, wer nicht wollte, der hatte schon. Sie hätte es nur als höflicher empfunden, wenn er sich doch noch hätte überreden lassen.
Als das Streichquartett das russische Lied beendet hatten, klatschte sie zurück haltend.
Natalja mochte die Musik aus ihrem Land sehr, jedoch empfand das traurige Thema als nicht passend für ein Restaurant.
Danach konzentrierte sie sich auf den Rest ihres Essen und bekam dadurch auch nicht die Veränderung auf der Bühne mit, Gemurmel beachtete sie ohnehin nicht.
So leise wie möglich legte sie den Löffel am Schluss auf den Unterteller, als Zeichen für den Ober, dass sie fertig war.
Obwohl sie nicht gekleckert hatte, tupfte sie sich ihre Lippen leicht ab und platzierte die Serviette neben die leere Schüssel.
Am Ende hatte sie sich derart an den Geschmack gewöhnt, dass es ihr schließlich sogar gemundet hatte.
Höflich bedankte sie sich noch einmal bei Monsieur de Cherzny-Dinan dafür, dass sie etwas hatte essen können.
Das wohlige Gefühl im Bauch blieb und sorgte für eine gewisse Zufriedenheit in ihr.
Trotzdem wollte sie ihren Tee ebenfalls zu Ende trinken und griff nach der Tasse. Jetzt erst blickte sie zur Bühne, genau in dem Moment, als der Klavierspieler auftrat.
Die Tasse stockte auf ihrem Weg zu dem Mund der jungen Frau.
Unbewusst richtete sie sich auf, drückte ihr Kreuz stärker durch als gewöhnlich.
"Ist das...? Nein, das kann nicht...", murmelte sie unwillkürlich und schüttelte ein wenig ungläubig den Kopf.
Also damit hätte sie niemals gerechnet!
Ihre Augen begannen zu glänzen, als die Erinnerungen in ihr hoch stiegen, und ein feines Lächeln kräuselte ihre Lippen.
Was für ein Zufall, dass sie ausgerechnet hier jemanden traf, den sie kannte!
Es war einige Zeit her, ungefähr zwei Jahre, da hatte sie Sergej zufällig bei den Proben getroffen. Damals hatte er seinen Lehrer und Mentor begleitet, um zu erleben, wie man sich in einem Orchester zu verhalten hatte, soweit sie es mitbekommen hatte.
Sie selbst hingegen hatte auf der Bühne einen Part der Odile üben müssen, der besonders schwer und dadurch auch eindrucksvoll war. Selbst zwei Jahre später noch hatte sie gerade vor diesem Akt den meisten Respekt, trotz ihres Könnens.
Noch gut konnte sie sich erinnern, wie Sergej damals im leeren Publikumsraum gesessen hatte, ziemlich nahe am Orchestergraben und gleichzeitig etwas weiter von Adrienne entfernt, die sich die Proben ebenfalls von dort angesehen hatte, um einen besseren Überblick zu haben.
Natalja hatte getanzt, die Musiker dazu gespielt und als ihre Ziehmutter sie unterbrochen hatte, um ihr die ein oder andere winzige Korrektur zu geben, hatte sie aus den Augenwinkeln das staunende Gesicht des jungen Mannes wahrnehmen können. Sogar der Mund hatte ihm leicht offen gestanden.
Es hatte ihr geschmeichelt, dass sie selbst dann, wenn der Zauber des Stückes nicht vollends zur Geltung kam, andere mit ihrem Können faszinieren konnte.
Einige Male war er noch mit seinem Mentor mitgekommen, doch es hatte sich niemals ein Gespräch zwischen ihnen ergeben.
Und plötzlich hatte sie ihn nicht mehr bei den Proben sehen können.
Gerne hätte sie seinen Lehrer nach dem Grund gefragt, kam jedoch nicht mehr dazu und am Schluss hatte sie es nicht mehr gewagt. Außerdem hätte Adrienne diese Ablenkung wohl kaum gerne gesehen.
Schließlich hatte sie auch aufgehört, an Sergej zu denken.
Umso überraschter war sie nun, ihn gerade hier, in diesem noblen Restaurant zu sehen. Er spielte gut und er schien seine Kunst genießen zu können.
Das Lächeln auf ihren Lippen blieb, als sie ihr Gegenüber ansah.
"Er hat Talent, meinen Sie nicht auch, Monsieur?", fragte sie und trank nun endlich den Rest ihres Tees, während sich ihr Blick bereits wieder Sergej zuwandte.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Mi Okt 22, 2008 10:10 pm

Lionel hatte dieses Stück bereits selbst des öfteren gespielt, das letzte Mal vor weniger als zwei Wochen, auf dem Steinway Flügel in seinem Salon.
Er schätzte dieses Instrument sehr, da unter dem Namen der aus Amerika stammenden Hersteller nur erstklassige Verarbeitung und Materialien verwendet und schließlich als Konzertflügel vertrieben wurden. Sein eigenes Exemplar, dessen Erwerb und Transport von Hamburg nach Paris allein soviel Geld verschlugen hatte, wie eine Tänzerin wie Natalja in sieben bis acht Jahren verdiente, war klassisch in schwarz gehalten und konnte mit seinem weichen und doch klaren Klang mit Leichtigkeit das komplette Haus füllen.
Und nicht nur er allein wusste dies zu würdigen. Nicht selten bemerkte Lionel, dass sich Madame Pellier und Sandrine vor der Salontür herumdrückten, wenn er spielte.
Diesen beiden ging allerdings ein gewisses tieferes musikalisches Verständnis ab, das Lionel im Gegensatz dazu besaß und das ihn im Moment darüber informierte, hier einen wirklich sehr talentierten jungen Mann vor sich zu haben.
Und nicht nur Talent zeichnete den Jungen aus - auch brachte er offensichtlich die Leidenschaft und die Begeisterung mit, die ein Papier vollgeschrieben mit Noten zum Leben erwecken konnten. Spielen konnten es sicherlich viele - doch um einem Stück wie der Fantasie Leben einzuhauchen brauchte es schon ein wenig mehr.
Aus diesem Grund stimmte er Natalja aufrichtig zu, wobei er froh darüber war, dass das Auftreten des Jungen die Stimmung zwischen ihnen, die kurzzeitig gedroht hatte, sich ein wenig zu verschlechtern, wieder auf ein gewisses Niveau gebracht hatte. Zumal sie den jungen Rachmaninoff scheinbar kannte.
"In der Tat, er spielt außergewöhnlich.", erwiderte er und setzte dann, nun mit einem durchklingendem Hauch von ungespieltem Interesse : "Kennen Sie den jungen Mann ?"
Erneut trafen sich ihre Blicke, während Sergej Rachmaninoff die Fantasie beendete und Applaus aufbrandete.
Lionel scheute sich nicht, seine Hände ebenfalls zu einem beifälligen Klatschen zu heben, es den anderen Gästen, die ausnahmslos applaudierten, gleichtuend.
Der Junge nahm den Applaus offenbar ein wenig verlegen entgegen und machte dann Anstalten, das Publikum mit einem weiteren Stück zu erfreuen.
Dieses Mal handelte es sich um eines der Werke des vor vier Jahren verstorbenen ungarischen Komponisten Franz Liszt, ein ebenfalls sehr kompliziertes und vollste Aufmerksamkeit forderndes Stück. Lionel beobachtete konzentriert, wie Rachmaninoff die großen Intervallsprünge und zahlreichen Triller [Wiki sei Dank^^] meisterte und das zum Ende hin unheimlich stark wachsende, anschwellende Stück zu Ende brachte.
Erneut brandete Applaus auf, doch dieses Mal erhob sich der junge Künstler, offenbar wollte er seinen Auftritt unterbrechend. Er verbeugte sich artig und ließ dann den Blick über das anwesende Pariser Publikum schweifen. Plötzlich blieb sein Blick an etwas hängen und Lionel fiel es nicht schwer zu erkennen, was das war.
Natalja.
"Er scheint Sie bemerkt zu haben, Mademoiselle..", meinte er mit einem Lächeln, als Rachmaninoff sich noch einmal verbeugte und dann das Podest verließ, jedoch nur um sich dem Tisch zu nähern.
Je näher er kam, um so besser war sein freudig-überrascht-verwirrter Gesichtsausdruck zu erkennen.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Do Okt 23, 2008 2:09 am

Lächelnd deutete die junge Frau ein Nicken und gleichzeitig ein Kopfschütteln an, während sie die leere Teetasse zurück an ihren Platz stellte. "Nicht persönlich, ich habe ihn nur in Moskau einige Male gesehen während meiner Proben."
Das war in etwa die Zusammenfassung ihrer Bekanntschaft, wobei sie bewusst die Tatsache ausließ, dass Sergej sie so sehr bewundert hatte. Das würde einem Selbstlob gleich kommen und das lag ihr nicht.
Außerdem war das Lied allmählich zu Ende. Nach dem letzten Ton gehörte sie zu den Personen, die begeistert klatschten und dabei strahlten ihre Augen.
Es war einfach herrlich, ein bekanntes Gesicht in Paris zu sehen. Vielleicht könnte sie später mit ihm ein wenig plaudern, eventuell sogar in ihrer Heimatsprache?
Nein, wohl eher weniger. Einerseits glaubte sie nicht daran, dass sich ein Künstler unter das Publikum der Restaurantbesucher mischen würde und andererseits wäre es höchstwahrscheinlich sehr unhöflich Monsieur de Cherzny-Dinan gegenüber. Das wollte sie natürlich nicht, es wäre noch dazu undankbar.
Innerlich lachte sie leise, als sie die Verlegenheit des jungen Klavierspielers sehen konnte.
Ja, so war es ihr am Anfang auch ergangen, bis sie gelernt hatte, den Applaus für ihr Werk, ihr Können anzusehen, wofür es sich lohnte, nach noch mehr, immer besserer Perfektion zu streben.
Es wurde wieder still im Saal und diesmal schien die Ruhe mit mehr Spannung als zuvor erfüllt zu sein, vielleicht sogar größerer Aufmerksamkeit, da man nun wusste, dass dieser Mann sein Handwerk verstand.
Das nächste Lied kannte sie nicht, aber dafür ließ sie sich umso lieber davon gefangen nehmen. Es erfüllte sie mit Staunen, wie gut Sergej die Weisen präsentierte und wie schnell oft seine Finger werden konnten.
Jedoch hatte sie sich besser im Griff als er damals und starrte ihm nicht mit offenem Mund, sondern mit einem wohlwollenden, freundlichen, fast schon etwas stolzen Lächeln zu.
Am Ende applaudierte sie ebenfalls wieder mit großer Freude.
Natalja fühlte Bedauern in sich aufsteigen, als er sich erhob und seinen Auftritt scheinbar abschloss, indem er sich verbeugte und kurz umsah, für wen er überhaupt gespielt hatte.
Es war für sie wenig verwunderlich, dass er das jetzt erst tat. Auch ihr war es lieber, ihre Zuseher erst danach sehen zu können, um sich nicht selbst mehr Druck als nötig zu machen.
Zufällig trafen sich ihre Blicke direkt.
Würde er sich an sie erinnern? Und wenn ja, was würde er nun tun?
Die Worte ihres Gegenübers hätte sie beinahe nicht gehört, so gespannt wartete sie auf die Reaktion des Künstlers. So war ihr Nicken eher automatisch sowie geistesabwesend.
Der Klavierspieler indes verbeugte sich noch einmal und kam dann in ihre Richtung. Sein Gesicht zeugte von seinen Gedanken, die bestimmt alles andere als sortiert waren.
Lächelnd blickte sie ihm entgegen.
Sprachlos blieb er vor ihr schließlich stehen und schien plötzlich nicht mehr zu wissen, was er hier eigentlich wollte.
Seine Wangen röteten sich, die Augen irrten zwischen ihr und ihrem Begleiter einige Male hin und her.
Bis er sich gefasst zu haben schien und eine höfliche Verbeugung andeutete. "Entschuldigen Sie, Mademoiselle,...", begann er mit einem harten, typisch russischen Akzent in der Sprache Frankreichs. "... ich möchte Sie nicht stören, aber... könnte es sein, dass wir uns schon einmal begegnet sind?"
Auch weiterhin blieb das Lächeln auf ihren Lippen, als sie nickte und ihm zur Begrüßung, als wären sie alte Freunde, beide Hände entgegen hielt, damit er diese ergreifen konnte.
Was er etwas zögerlich tat.
"Ja, das sind wir!", erwiderte sie in ihrer Heimatsprache, da sie sich glücklicherweise rechtzeitig daran erinnert hatte, dass auch ihr Gastgeber dies verstehen konnte.
So wäre es nicht unhöflich von ihr und Sergej würde sich gewiss leichter tun. In seinen Augen jedenfalls blitzten es dankbar auf.
"Erinnern Sie sich daran, wie sie vor einiger Zeit in Moskau ihren Lehrer begleitet hatten, um seine Arbeit im Orchester beobachten zu können? Damals hatten Sie mir bei einer meiner Proben zusehen können.", erklärte sie freundlich.
Deutlich konnte sie das Wiedererkennen in seinem Gesicht sehen und ebenfalls den freudigen Ausdruck, der sich dazu mischte. "Natürlich, Sie sind die bezaubernde Prima Ballerina! Was für ein Zufall, dass ich Sie hier antreffe!"
Er drückte ihre Hände ein wenig fester, allerdings nicht so, dass er ihr damit wehgetan hätte.
Danach ließ er sie los, da dieser Kontakt sonst zu lange angedauert hätte als für eine flüchtige Bekanntschaft.
Leise lachte sie und nickte, während ihre Hände herab sanken. "Ja, das ist es wirklich."
Gerne hätte sie länger mit ihm geplaudert, über die Vergangenheit und auch über ihn, was er alles tat, wie seine Studien voran gingen und vieles mehr. Aber sie besann sich darauf, dass sie nicht alleine war.
Darum deutete sie auf ihren Gastgeber und lenkte so die Aufmerksamkeit des Künstlers auch auf ihn. "Darf ich Ihnen vorstellen? Monsieur de Cherzny-Dinan."
Der Klavierspieler war flüchtig aus seinem Konzept gebracht, doch schaffte es rasch, sich zu fassen und auch dem anderen gegenüber eine Verbeugung anzudeuten. "Sehr erfreut, Monsieur. Ich hoffe, Ihnen hat meine Darbietung zugesagt?", fragte er höflich, wobei sein Blick immer wieder zurück zu der Tänzerin huschte.
Dieser ging in jenem Moment auf, dass er höchstwahrscheinlich nicht einmal ihren Namen kannte. Allerdings wusste sie noch nicht, wie sie diesen Umstand korrigieren könnte, ohne dass auch ihre Begleitung etwas mitbekommen würde.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Do Okt 23, 2008 11:10 pm

Hier und da folgte dem jungen Künstler ein Blick, als er sich seinen Weg durch den dichtbesetzten Gastraum bahnte, um schließlich an Lionels und Nataljas Tisch zu treten. Des Pianisten Aufmerksamkeit galt jedoch, das fiel Lionel nicht schwer zu erkennen, hauptsächlich letzterer.
Mühelos lauschte Lionel dem auf russische geführten Dialog, ohne sich jedoch einzumischen. Er wollte das Wiedersehen der scheinbar ein wenig miteinander Bekannten nicht stören und es wäre ihm wie eine grobe und absolut anstandslose Unterbrechung vorgekommen, dies zu tun.
Er selbst schätzte es zumindest nicht sehr, wenn er während einer Konversation von neu Hinzugekommenen unterbrochen wurde.
Erst als Natalja Anstalten machte, sie beide einander vorzustellen, erklang seine Stimme wieder.
"Die Freude ist ganz auf meiner Seite, besonders jetzt nach ihrem Auftritt. Ihr Spiel ist außergewöhnlich.", erwiderte er die Begrüßung des jungen Künstlers mit einem leichten Neigen seines Kopfes in dessen Muttersprache.
Nun aus der Nähe konnte er den russischen Klavierspieler einer genaueren Musterung unterziehen, als es auf die Entfernung vom Tisch zum Flügel möglich gewesen war. Um Details auf diese Entfernung zu erkennen reichte selbst das vampirische, der menschlichen Wahrnehmung weit überlegene Sehvermögen nicht aus.
Das Gesicht des Jungen wurde durch die Nasen - und Augenpartie dominiert, letztere befanden sich unterhalb von dichten, dunklen Augenbrauen. Das Gesicht lief auf ein schmales Kinn zu, der Mund fiel eher weniger ins Auge.
Weniger auf die Äußerlichkeiten, denn auf das Verhalten und die Ausstrahlung des jungen Mannes konzentrierte Lionel sich bei seiner Musterung.
Er schien sich in dieser mondänen von vom Luxus und Geld geprägten Umgebung nicht recht wohlzufühlen, auch wenn er vermutlich bei einigen Auftritten schon Erfahrungen gesammelt hatte. Immer wieder streifte sein Blick die Wände, die mit kostbaren Bildern und einer Stofftapete verziert waren und die edle Einrichtung. Auch der schlichte Anzug des Pianisten deutete auf einen eher mittelständischen Hintergrund hin. Dessen schien er sich jedoch, genausowenig wie Natalja zu schämen.
Des weiteren fiel Lionel auf, dass der Junge sich seines Könnens am Klavier sehr wohl bewusst war, auch wenn ihn der Beifall ein wenig von seinem Leitfaden abgebracht hatte. Er wusste, dass sein Talent außerordentlich war und das ihm eine Zukunft, eine große Zukunft, in der Welt der Musik bevorstand.
Dieses Selbstbewusstsein war vielen Künstlern, die Lionel im Laufe der Jahren kennengelernt hatte, zu eigen gewesen und meistens waren jene, in deren Wesen sich große Mengen dieses Selbstbewusstseins gefunden hatten, später auch bekannt, berühmt und mitunter auch wohlhabend geworden.
Das Selbstbewusstsein, das dem Künstler half, auch die bitteren, armen Jahre zu überstehen, brachten ihn schließlich nach oben. Und ebenso würde es, Lionel war sich seiner Prognose aufgrund seiner Erfahrung relativ sicher, bei diesem Jungen auch kommen.
Sicherlich würde der Ruhm sich nicht von heute auf morgen einstellen, so war es in den seltensten Fälle, doch er würde, früher oder später, kommen.
Ein passierender und in der Bewegung verharrender Ober unterbrach schließlich das beginnende Gespräch.
"Monsieur..gibt es einen Wunsch, den man Ihnen, der jungen Dame oder dem ebenso jungen Künstler erfüllen kann..?"
Lionel richtete den Blick auf die beiden Erwähnten, dann meinte er, an Rachmaninoff gerichtet, freundlich: "Würden Sie mir und Mademoiselle Nikolajewna die Ehre gewähren, sich für die Dauer eines Drinks Ihrer Wahl zu uns zu gesellen?"
Kaum die Zustimmung abwartend, brachte der Ober einen dritten Stuhl und blieb dann, für evetuelle Nachfragen die Karte in der Hand und den Wunsch des Pianisten erwartend, neben diesem stehen.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Fr Okt 24, 2008 4:06 pm

Natalja ließ dem Klavierspieler die Zeit, sich mit ihrem Begleiter bekannt zu machen.
Dass dieser ebenfalls in der russischen Sprache die Worte formulierte, erleichterte sie innerlich ein wenig, denn es war für sie ein Zeichen, dass ihre Hoffnung gerechtfertigt war. Es würde ihm scheinbar nichts ausmachen, sich nicht in französisch artikulieren zu müssen.
Was es Sergej auch leichter machte, wie sie dem dankbaren Aufblitzen in seinen Augen entnehmen konnte.
Sie hingegen überlegte noch immer, wie sie ihm ihren Namen nennen konnte und gleichzeitig nichts zwischen ihnen bloß stellen musste.
Der Ober unterbrach das entstehende Schweigen, wofür ihm die beiden jungen Russen, jeder für sich, dankbar waren. Und Monsieur de Cherzny-Dinan setzte noch eines oben drauf, indem er sie bei ihrem Nachnamen nannte.
Erleichtert entspannte sie sich innerlich und ihr Lächeln gewann eine Spur mehr Echtheit zurück.
Dem Kellner schenkte sie ein Kopfschütteln. "Nein, danke, für mich nichts mehr."
Zwar hätte sie gerne noch eine Tasse Tee getrunken, aber sie hatte schon beinahe zuviel bestellt. Auf jeden Fall war es für sie genug für diesen Abend, selbst, wenn sie die genauen Preise nicht kannte.
Der Künstler hingegen nahm die Einladung, wenngleich er etwas peinlich berührt über das Angebot wirkte, mit einem knappen Nicken an.
Er bestellte sich eine Schale Kaffee, was die Tänzerin ein wenig überraschte. Normalerweise schätzten Russen den Tee, Männer und teilweise auch Frauen meist mit Alkohol gemischt.
Der Ober entfernte sich, da er erkannte, dass keine weiteren Bestellungen kommen würden.
Indes ließ sich der Klavierspieler auf dem neugebrachten Stuhl nieder und wandte sich ihr zu.
"Wie kommt es, dass ich Sie hier in Paris antreffe? Haben Sie in dieser Stadt ein Engagement, sodass ich Ihre vollendete Tanzkunst wieder bewundern könnte?", fragte er sie mit großen Augen, da ihm jetzt erst aufzugehen schien, dass er ihren Nachnamen gehört hatte.
Denn er drehte sich in die Richtung ihres Begleiters und strahlte ihn mit einem Anflug von Stolz, den sich die junge Frau nicht erklären konnte, an. "Sie müssen wissen, der Herr, dass das Fräulein Nikolajewna in Moskau in den Kreisen von Kennern so etwas wie eine Berühmtheit ist. Sie hat so großes Talent, dass es einen Staunen machen muss!"
Natalja konnte fühlen, wie ihre Wangen sich kräftig röteten und ihr Lachen klang alles andere als sicher, sondern vielmehr peinlich berührt.
Hastig winkte sie ab und bemühte sich, sein Lob zu mildern:"Sergej, Sie übertreiben maßlos."
Ernst, beinahe schon erschrocken blickte er sie an. "Aber... aber Sie sind die beste Prima Ballerina, die ich jemals gesehen habe und seit damals haben Sie sich bestimmt noch mehr verbessert!"
Seine Vehemenz und hauptsächlich seine Ernsthaftigkeit, die in seiner Stimme mitschwang, verstärkten ihre Verlegenheit nur noch und sie beugte sich rasch vor, um ihn beruhigend die Hand auf den Unterarm zu legen.
Ihr Lächeln wirkte gezwungen, denn gerne hätte sie über etwas vollkommen anderes, als über sich, gesprochen. "Bitte, Sie haben einfach nur noch nicht sämtliche Prima Ballerinen gesehen, um diesen Vergleich anstellen zu können. Ich bin mir sicher, es gäbe genügend andere Frauen, die weitaus besser tanzen als ich."
Er wollte schon wieder den Mund aufmachen, höchstwahrscheinlich um ihr zu widersprechen, als sie ihn mit einem leisen Flehen ansah.
Dieses Lob war ihr peinlich, vor allem vor ihrem Begleiter, denn es würde Erwartungen wecken, sollte er sie jemals auf der Bühne sehen, die sie womöglich nicht erfüllen könnte, so gut sie auch sein mochte.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Fr Okt 24, 2008 5:31 pm

Der Hauch eines leichten Schmunzeln umspielte Lionel Mundpartie, als er dem Gespräch der beiden lauschte.
Außer ihm verstand vermutlich niemand in diesem Raum den genaueren Inhalt, den nur ein verschwindend geringer Anteil der Franzosen befand es für nötig, eine andere Sprache als ihre eigene zu lernen, ganz zu schweigen von einer vollkommen fremden wie Russisch. Vermutlich fiel es den Franzosen sowieso schwer, die harten und manchmal wie nur grob zugehauen wirkenden Silben des Russischen auszusprechen, sie, deren eigene Sprache sich besonders durch ihren weichen, sanften Klang auszeichnete. Dieser Klang war es ja auch, der tausende von europäischen Müttern und Gouvernanten dazu brachte, ihren Zöglingen das Französische nahe zu legen, manchmal auch mit mehr Druck als gut war. Französisch klang für anderssprachig großgewordene Ohren wundervoll, gebildet und niveauvoll.
Amüsierend war es mitunter auch, zu hören, wie Nicht-Franzosen versuchten, diesen Klang nachzubilden, denn nicht jedermann konnte Nataljas Beispiel folgen und sich in der Fremdsprache trotz Akzent klar und verständlich ausdrücken.
Allerdings schien Natalja im Moment andere Gedanken im Kopf zu haben, als ihr Sprachtalent, das sie sicherlich von ihrem Vater geerbt hatte.
Lionel beobachtete, wie sie auf die Komplimente des Pianisten, auf nicht sehr dezente Art dargebracht, reagierte und schloss aus dieser Reaktion, dass sie ihre eigene Person nicht sonderlich gern im Mittelpunkt des Gespräches sah. Im Gegensatz zu ihrem Vater schien dem Künstler an ihrer Seite dies jedoch nicht aufzufallen, weshalb Lionel letzendlich auch beschloss, sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien.
"Ich bin mir sicher, dass Ihr Bekannter vollkommen recht hat, was ihr Talent angeht, Mademoiselle Nikolajewna, doch nicht minder außergewöhnlich ist sein eigenes.", mit diesen Worten wandte er sich an Rachmaninoff, "Sie erwähnten vor ihrem Aufritt das Moskauer Konservatorium..Darf ich mit die Frage erlauben, um wen es sich bei ihrem Lehrmeister handelt?"
Seine Kontakte zum Konservatorium waren mit der Zeit etwas abgekühlt, begründet durch seine Abreise aus Moskau, doch noch immer gab es hin und wieder einen kurzen Briefwechsel, um finanzielle Kleinigkeiten zu klären.
Früher hatte Lionel dem Konservatorium monatlich einen nicht geringen Betrag von Geld zur Verfügung gestellt, für den Kauf und Restauration von Instrumente, Gehälter für Lehrer und die Unterbringung und Versorgung von Schülern. Einzige Gegenleistung, die er für sein Engagement erhalten hatte, waren regelmäßige Einladung zu Konzerten, Festen und anderen musikalischen Veranstaltungen gewesen. Doch diese Gegenleistungen hatte er mehr als Geschenk betrachten, ebenso wie sein Geld für das Konservatorium. Er förderte Kunst wo es ging, auch um dem Volk die Möglichkeit zu geben, sich zu bilden und zu genießen.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Fr Okt 31, 2008 7:26 pm

Natalja wäre am liebsten im Boden versunken, als auch noch ihr Begleiter damit begann, sie zu loben. Dann allerdings erkannte sie, dass es ein Ablenkungsmanöver war, denn im selben Satz schmeichelte er auch noch dem Klavierspieler.
Leise entließ sie die Luft aus ihren Lungen entweichen und konnte sich wieder entspannen.
Sie war unendlich erleichtert, dass jetzt endlich das Gespräch sich nicht mehr um ihr Können drehte. Stattdessen konnte nun Sergej am eigenen Leib erfahren, wie unangenehm es sein konnte, über sich selbst reden zu müssen. Trotzdem wurde es ihm ein wenig erleichtert, da nach seinem Lehrmeister gefragt worden war und nicht direkt nach seiner eigenen Person.
Mit einem stolzen Lächeln und einem Ausdruck in den Augen, der von dem Respekt und der Bewunderung zeugte, die er diesem Mann entgegen brachte, erwiderte er:"Ich hatte die große Ehre, bei Nikolai Sergejewitsch Swerew lernen zu dürfen. Ein Zufall und viel Glück haben mich dazu gebracht, dank meines Cousins."
Die Tänzerin lächelte und nickte leicht.
Ja, von Swerew hatte sie schon mehrmals gehört, aber ihn niemals persönlich kennen gelernt oder überhaupt bewusst gesehen. So hatte sie auch nicht gewusst, dass ein bekannter Künstler wie er im Orchester Schwanensee zum Besten gab, umringt von lauter Musikern, anstatt alleine.
Andererseits waren die Vorstellung hauptsächlich in Moskau stets ausverkauft gewesen, was auch allen finanziell zugute gekommen war. Von dem Ruf ganz abgesehen, immerhin standen in den Programmheften immer alle Namen.
Und es war garantiert eine gute Praxis-Übung, mehrere Abende in der Woche zu spielen und dabei nicht den ganz großen Druck eines Solos sowie Blickkontakt zu den Zusehern zu haben.
Indes für der Schüler fort:"Mein Lehrmeister ist ein wahrer Virtuose am Klavier und..."
In diesem Moment kam der Kellner und brachte das Bestellte. Jedoch beugte er sich auch zu dem Künstler hinab und flüsterte ihm etwas zu, in französisch und trotzdem zu leise, als dass die junge Frau etwas verstanden hätte.
Dafür konnte sie deutlich erkennen, wie Sergejs Gesicht den Ausdruck der Freude verlor und Bedauern zeigte.
Der Ober entfernte sich und der Klavierspieler seufzte hörbar. "Es tut mir leid, aber man verlangt nach mir. Ich danke Ihnen herzlich für das kurze Gespräch und hoffe, dass ich bald wieder die Ehre habe, sie zu sehen." Bei diesen Worten ruhte sein Blick offensichtlich auf Natalja, die noch zu überrascht über diese Neuigkeit war, als dass sie darauf hätte reagieren können.
Danach wandte er sich an den Monsieur und deutete ein Nicken an. "Mein Getränk geht natürlich auf meine Rechnung und ich entschuldige mich noch mals dafür, dass ich länger verweilen darf. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend hier." Damit stand er auf und sah erneut sie an.
Allerdings wartete er umsonst auf eine Geste, hauptsächlich darauf, dass sie ihm die Hand für einen Abschiedskuss hinhalten würde. Ohne ihrer Unterstützung zögerte er und traute sich schließlich nicht, selbst die Initiative zu ergreifen. So verbeugte er sich lediglich und nahm sein Getränk mit sich.
Die Tänzerin blickte ihm nach und fragte sich, wer ihn wohl zu sprechen wünschte, dass er einfach ging.
Es war schade, gerne hätte sie sich noch mit ihm unterhalten. Auf der anderen Seite hätte sie sich auch nicht frei bewegen können, wo sie nicht alleine mit ihm gewesen wäre.
Schlussendlich seufzte sie leise und murmelte, mehr für sich, als für den Monsieur:"Bedauerlich, dass er schon gehen musste."
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan So Nov 02, 2008 5:34 pm

Ich hatte die große Ehre, bei Nikolai Sergejewitsch Swerew lernen zu dürfen. Ein Zufall und viel Glück haben mich dazu gebracht, dank meines Cousins.
Ah, Swerew.
Lionel hatte die Bekanntschaft des genannten Lehrmeistern in Moskau gemacht und war von ihm ebenso beeindruckt gewesen wie dessen junger Schüler. Swerews unglaubliche Leistungsbereitschaft und vor allem seine Disziplin hatten in Lionel, der als Vampir, der mit einer menschlichen Frau zusammenlebte, vor allem mit letzterem zu tun hatte, durchaus Anerkennung geweckt. Wenn auch Lionel die Disziplin aufgrund seiner jahrzehntelangen Übung sicherlich leichter gefallen war als einem, in seinen Augen, jungen Menschen.
Nur zu Beginn seiner Zeit als Vampir war es Lionel schwer gefallen, seinen Trieben nicht immer sofort nachzugeben, sich nicht gleich alles zu nehmen, wonach sein neuer Körper verlangte. Erschwert worden war dies damals noch von einer Lehrmeisterin, deren Selbstbeherrschung mitunter sehr lückenhaft gewesen war.
Doch seit Lionel allein war, arbeitete er stets daran, seinen Hunger und seine Gier auf Blut auf ein Minimum zu beschränken und im Gegenzug dafür die Kontrolle über sich selbst zu erhöhen. Offensichtlich gelang ihm das auch. Hätte man ihm noch vor fünfzig, sechzig Jahren gesagt, mit wie wenig Blut er einst auskommen würde, wäre er in herzliches Gelächter ausgebrochen. Doch die ständige Übung und das immerwährende Aufrechterhalten der selbstgemachten Regeln trug nun Früchte.
Genauso hielt es auch Swerew, wobei sich seine Disziplin nicht auf so für andere lebensgefährliche Dinge wie Blutsaugen bezog, sondern auf seine Begegnung mit der Musik. Was des einen Blut, war des anderen Musik. Und genau die gleiche Gier, das gleiche Streben nach Perfektion empfanden sie beide.
Dieses Streben, das gebildet wurde aus ständiger Übung und hundertprozentiger Konzentration verlangte Swerew auch von seinen Schülern.
Rachmaninoff war sicherlich durch eine harte, wenn auch überdurchschnittlich gute Schule gegangen. Wobei Swerew kein übermäßig pingeliger oder gar brutaler Lehrmeister war. Er verlangte lediglich, dass ein Schüler alles gab, ausnahmslos alles und das Talent, welches ihm in die Wiege gelegt worden war, auch nützte. Und augenscheinlich war Rachmaninoff momentan in der Lage, diesen Anforderungen stand zu halten.
Lionels Lippen öffneten sich gerade zu einer Erwiderung auf das Loblied des Jungen auf seinen Lehrer, doch dann bemerkte der Vampir das Herannahen des Obers und als dieser sich zu dem Pianisten hinunterbeugte, drangen die Worte auch an Lionels scharfes Ohr, weswegen er die Erklärung des jungen Klavierspielers nicht benötigt hätte.
Er erhob sich ebenfalls und erwiderte die an sie beide gerichtete Verbeugung des Russen durch eine ebensolchen, wenn auch ein wenig knapper ausgeführt, wie in Adelskreisen üblich. Dann ließ er sich wieder nieder.
Ihm war die Bewunderung, die Rachmaninoff seiner Tochter entgegenbrachte nicht entgangen, ebenso wenig wie ihre Reaktion darauf. Allerdings beschäftigte er sich damit nicht wieder, schließlich war das ihre Sache und ging ihn eigentlich nichts an.
"In der Tat, äußerst bedauerlich.", stimmte er ihr zu und fügte dann hinzu : "Ein außergewöhnlich talentierter junger Mann. Seine Hände scheinen wie zum Klavierspielen gemacht zu sein. Sind sie Ihnen ins Auge gefallen? Sie erinnern an jene, die Jean Clouet auf seinem Gemälde Francois dem Ersten verliehen hat...Kennen Sie das Bild zufällig?"
Das Gemälde, von dem Lionel sprach, befand sich im Louvre und vor einigen Wochen hatte Lionel diese Galerie besucht. Sein unnatürliches Gedächtnis hatte von diesem Besuch alle Details behalten und so war ihm auch die Ähnlichkeit zwischen den langen Fingern des Pianisten und denen Francois des Ersten aufgefallen.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna So Nov 02, 2008 9:20 pm

Ein gedankenverlorenes Lächeln huschte über ihre Lippen. "Seine Hände? Ja... wahrscheinlich muss er sie besonders pflegen oder geschmeidig halten durch spezielle Übungen."
Aus ihr sprach die erfahrene Tänzerin, die wusste, dass man sich voll und ganz auf eine Tätigkeit des Körpers konzentrieren musste, um in die Nähe von Perfektion gelangen zu können. Da war es kein Wunder, dass man das dem Künstler dann auch ansehen konnte. Zumindest für sie war es etwas völlig gewöhnliches, denn auch ihrem Körper war es anzusehen, dass sie ständig Sport betrieb. Obwohl das noch niemand außer ihrer Ziehmutter und Ronja gesehen hatte, da sie sich keinem ohne Kleidung präsentierte.
Mitten unter diesen Überlegungen erinnerte sie sich daran, dass ihr noch eine andere Frage gestellt worden war.
Es dauerte einige Sekunden, bis sie die Worte wieder wusste.
Dann allerdings schüttelte sie langsam den Kopf. "Nein, Monsieur, es ist mir nicht bekannt." Ein verlegenes Lächeln huschte über ihre Lippen und sie senkte den Blick. "Ich bin nicht sehr bewandert... in diesem Bereich der Kunst. In Russlang kenne ich viele Ikonenmalereien und habe auch ein paar Porträts gesehen in meinem Leben, aber das war es schon." Überrascht hielt sie inne.
Wieso hatte sie ihre Antwort so persönlich ausfallen lassen? Er hatte nur nach einem Bild gefragt und nicht nach ihrer Lebensgeschichte!
Sie neigte manchmal dazu, zu viel zu reden und das ärgerte sie jetzt umso mehr, als dass sie sich nicht hatte zurück halten können.
In der Zwischenzeit hatte das Streichquartett von vorhin wieder Aufstellung genommen und begann nun damit, eine flotte Weise zu spielen, um ein weiteres Mal zum Tanz einzuladen.
Gerne hätte Natalja das Gespräch zwischen ihr und ihrem Begleiter beendet und wäre auf die Tanzfläche, die sich allmählich sogar füllte, gegangen. Doch mehr als einen beinahe schon sehnsüchtig anmutenden Blick warf sie nicht in diese Richtung.
Sie wagte es nicht, danach zu fragen. Bereits einmal hatte sie das getan und das sollte für den Abend reichen an Initiative von ihr. Es könnte sonst noch falsch verstanden werden.
Nein, da hielt sie lieber den Mund und versuchte, ein anderes Gesprächsthema zu finden. Dieses war ihr nicht vertraut genug, um tatsächlich mitreden zu können und andererseits hatte sie eben schon zuviel gesagt.
Dabei hatte sie schon einige Städte dank der Tanzgruppe besucht, in denen es berühmte Gemälde geben sollte. Allein, die Zeit hatte es ihr nie vergönnt, dass sie diese auch hätte bewundern können. Teilweise war auch der Preis hinzu gekommen.
Die einzigen, atemberaubend lebensnah gemalte Bilder hatte sie damals gesehen, als sie von der Zarenfamilie für einen Auftritt geladen worden war.
In den Foyers von Opern hingegen hatte sie fast nie etwas davon gesehen und wenn, dann hatte es meistens so ausgesehen, als hätte sie eine weitere Vase mit Blumen entdeckt und kein Kunstwerk.
Nein, das war bisher nie ihre Welt gewesen und würde es höchstwahrscheinlich auch nicht werden.
Andererseits hatte Talib sie vor seinem Verschwinden eingeladen, den Louvre zu besuchen. Ja... und dann hatte er abgesagt, angeblich wegen seiner Geschäfte und sie hatte sich wie ein kleines Kind benommen, dem man sein Spielzeug weggenommen hatte.
Ob er vielleicht auch deswegen keinen Kontakt zu ihr wollte? Weil sie ihm zu schwierig erschienen war?
Innerlich seufzte die junge Frau und sank noch um eine Winzigkeit mehr in sich zusammen.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Mo Nov 03, 2008 1:04 am

[eigentlich soll man sich ja nicht selbst loben, aber die Überleitung grad zum Louvre war genial, oder?^^]

Nataljas kurzer Blick zur Tanzfläche fiel Lionel auf, doch im Moment schien ihm die Stimmung zwischen ihnen beiden nicht dazu geeignet, erneut zum Tanz aufzufordern. Zumal die Melodie nicht ganz seinem Geschmack entsprach, ganz im Gegenteil zu den nicht wenigen Gästen, die sich erhoben und begannen, sich mehr oder weniger im Takt zu drehen.
Dieses verschmähend setzte Lionel seinen Fokus lieber auf das Gespräch, das sich um den Louvre zu entspinnen schien.
Ihre Antwort auf seine Frage fiel überraschend lang und ausführlich aus, ein Umstand, der ihn erfreute, nicht nur wegen der Länge, sondern auch wegen des Inhalts.
Scheinbar schien Natalja durchaus Interesse an Kunst zu haben, nicht nur an Musik. Es war ein wenig schade, dass Adrienne dieses Interesse nicht gefördert zu haben schien, doch dem ließ sich durchaus Abhilfe schaffen.
In Lionel keimte eine plötzliche Idee auf und er antwortete: "Würden Sie das Bild gerne sehen, Mademoiselle? Es hängt hier in Paris, im Louvre."
Der Louvre war zwar über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, doch nur wenige der Menschen, die über ihn sprachen, hatten ihn auch tatsächlich besucht.
Es gehörte zwar nicht direkt Reichtum dazu, um das mit Kunst angefüllte Gemäuer betreten und die Skulpturen und Bilder betrachten zu dürfen, doch Menschen aus den unteren Gesellschaftsschichten, zu denen Natalja im Moment noch gezählt werden musste, erhielten eher selten Einlass in die "geheiligten Pariser Hallen". Für die oberen Schichten hingegen gehörte ein mindestens halbjährlicher Besuch in dem Museum mittlerweile zum guten Ton, es war sozusagen als Standart vorgeschrieben und schnell rutschte auf der Einfluss- und Beliebtheitsskala nach unten, wer sich nicht angemessen oft dort zeigte und über neueste Erwerbungen Bescheid wussten.
Lionel besuchte den Louvre jedoch nicht, um seinen Einfluss zu steigern, sondern aus Interesse an der Kunst. Mit jedem Gemälde, mit jeder plastischen Arbeit war ein Stück Geschichte und ein Stück des Lebens des Künstlers verbunden und mehr noch als die eigentlichen Werke interessierten ihn diese kleine Stücke Leben hinter der Kunst.
Aus welchem Grund hatte der Maler diese oder jene Farbe für den Faltenüberwurf gewählt? Gab es einen besonderen Anlass dafür, einen Gegenstand auf einem gezeichneten Tisch in exakt dieser Position zu plazieren?
Und sein Gedächtnis behielt alle kleinen, hier und da aufgenommenen und nachgeschlagenen Details, sodass mit der Zeit aus einem kunstinteressierter Mann ein wandelndes Lexikon geworden war. Er kannte den Louvre zur Zeit so gut wie auswendig und hätte auch blind durch die langen Korridore und Gänge schreiten und trotzdem jedes einzelne Werk benennen können.
Und gerne wollte er Natalja diese Werke ebenso nahebringen, ihr die Möglichkeit geben, sich selbst von ihrer Einzigartigkeit zu überzeugen.
Aus diesem Grund ergänzte er: "Es wäre mir eine große Freude, Ihnen das Gemälde zu zeigen, wenn dies in Ihrem Sinne steht."
Er hoffte sehr, nicht schon wieder ihr Misstrauen zu wecken. Dieses erinnerte ihn beinahe an einen Tiger, der mit halb geschlossenen Augen da lag. Scheinbar dösend, doch in Wirklich auf den richtigen Moment wartend, um wieder zuzuschlagen. Hoffentlich war seine Frage nicht das Vorbeihuschen einer Maus gewesen, das den Tiger aus seiner Erstarrung löste.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Mo Nov 03, 2008 8:41 pm

Innerlich seufzte sie auf, als er das Thema weiter fortführte.
Andererseits weckte er ganz leicht ihre Neugier. Ob das Bild wirklich so gut und eindrucksvoll sein sollte, wie ihr Gegenüber es darstellte?
Und wenn es tatsächlich im Louvre hing... Nein, das konnte sie doch nicht tun, wo sie es vor einiger Zeit erst dem Herren Talib zugesagt hatte. Allerdings... er hatte es abgesagt, also wäre es nicht verwerflich, wenn sie diesen Louvre mit Monsieur de Cherzny-Dinan besuchen würde.
Nur sollte sie das wirklich wagen? Würde sie nicht damit signalisieren, dass sie Interesse an ihm hätte? Das wäre nicht gut, vor allem, wo es nicht der Wahrheit entsprach. Sie wollte keine Erwartungen wecken, indem sie sich noch einmal mit ihrem Gegenüber traf!
Außerdem wäre da noch der Eintritt, der bestimmt zu viel für sie wäre und einladen lassen wollte sie sich nicht ein weiteres Mal.
Jedoch warum sollte sie es nicht genießen, solange diese Bekanntschaft tatsächlich unvergänglich blieb?
Ach, wenn nur Ronja in Paris wäre und sie mit ihr reden könnte! Ihre Freundin wüsste bestimmt, was sie tun sollte, oder würde sich zumindest mit ihr ausreichend beraten.
Seine Worte holten sie aus ihren Überlegungen zurück, wenngleich leider ohne einer Lösung.
Also begann sie langsam, mit unsicherer Stimme, eine Antwort zu geben:"Ich weiß nicht, Monsieur... Ich würde sehr gerne dieses Bildnis sehen können, aber... ich bin mir nicht sicher, ob... ob das angemessen wäre."
Sie musste dringend heraus finden, aus welcher Richtung sein Interesse an ihr kam. Es war ihr nun einmal nicht geheuer und mit jeder weiteren Einladung, die erfolgte, wurde ihr Misstrauen genährt, welches jetzt auch wieder zum Vorschein kam.
Die berauschende Wirkung des Walzers vorhin war endgültig vorbei, Sergej befand sich nicht mehr im Saal und sie hätte gerne einen zweiten Tanz gewagt, doch konnte dies nicht tun, da es sonst anstößig und wie ein Angebot wirken würde. Dadurch verfiel sie in ihr altes Verhaltensmuster zurück, wobei sie sich trotzdem mit aller Macht darum bemühte, nicht undankbar zu erscheinen, nun, wo sie etwas getrunken und gegessen hatte.
Deswegen suchte sie nach Worten, wie sie sich teilweise erklären und rechtfertigen konnte. Es fiel ihr nicht leicht und dennoch wollte sie nicht aufgeben, bis sie nicht zum Ende gekommen war. "Bitte, verstehen sie mich nicht falsch, Monsieur, allerdings... Sie haben schon viel für mich getan und... ich habe nichts, womit... ich Ihnen diese Großzügigkeit vergelten könnte."
Denn sie würde sich niemals dafür hergeben, mit einem Mann ins Bett zu steigen, nur um einige Annehmlichkeiten im Leben zu erhalten. Das widerstrebte ihr einfach zu sehr und Natalja konnte sich keine Situation oder eine Person vorstellen, wodurch sich das auch nur im Geringsten ändern würde.
Aus diesem Grund hatte sie ihre Worte bewusst so gewählt, dass er mit seiner Antwort zu erkennen geben müsste, ob er diese Absicht hatte oder nicht. Und wenn letzteres zutreffen würde, laut seiner Antwort, könnte sie sich, sollte es sich einmal ändern, darauf berufen und ihn an seinen hoffentlich vorhandenen Anstand erinnern.
Jedoch tief in sich hoffte sie, dass er tatsächlich nicht ernsthaft dieses Vorhaben hatte, sondern kurzerhand nett zu ihr sein wollte, vielleicht sogar das Gefühl zu haben, ihr ein väterlicher Freund einst werden zu können. Wobei sie in diesem Moment nicht wusste, in wie weit sie einen Kontakt zu ihm zulassen würde, wie sehr sie ihm irgendwann einmal vertrauen könnte.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Di Nov 04, 2008 12:31 am

Innerlich seufzte er.
Offensichtlich war ihr Misstrauen, genau wie er es befürchtet hatte, wieder geweckt worden. Er fragte sich, woher dieses Misstrauen kam, ob es durch einen bestimmten Vorfall in ihrer Vergangenheit hevorgerufen oder durch Adriennes Erziehung entstanden war.
Letzteres war durchaus nicht unwahrscheinlich.
Sicherlich lag Adrienne viel daran, ihren Mädchen deren Naivität möglichst bald und möglichst gründlich abzugewöhnen, denn wenn etwas für eine junge Frau in rauhen Zeiten wie diesen und an rauhen Orten wie den weniger feinen Vierteln von Großstädten wie Paris oder Moskau nicht ratsam war, dann war es Gutgläubigkeit. Denn wie auch schon die Umstände seiner ersten Begegnung mit Natalja zeigten, herrschte auf den Straßen ein rauhes Klima und es war empfehlenswert, die jungen Damen darauf vorzubereiten.
Besonders gefährlich war es sicherlich bei Nacht. Geschöpfe, ob vampirischer oder nichtvampirischer Natur, krochen aus ihren Schlupflöchern und bevölkerten die Straßen, nichts Gutes im Sinn habend. Viele dieser Kreaturen gehörten zu den Herrschaftskreisen der Unterwelt, die gebildet wurden von einigen Familienclans, die zwar nicht zahlreich, dafür aber umso gefährlicher und vor allem schlagkräftiger waren. Ihnen hatten die Justiz und deren Arme, die sich nur sehr träge und selten freiwillig bewegten, wenig bis gar nichts entgegen zu setzen, zumal nicht wenige dieser Familien Kontakte zur moralisch verwerflichen Gesellschaftsschicht der Vampire pflegten, wenn sie nicht sogar durch die Bank selbst unsterblicher Natur waren. Die Bildung solcher Ringe zu unterbinden war, zumindest konnte Lionel sich das durchaus vorstellen, auch eine der Hauptaufgaben der UdVi. Schließlich gab es wenige Dinge, die gefährlicher für nichtsahnende Menschen waren, als organisierte, sich von Blut ernährende und gewalttätige Vampirkreise.
Doch das eine Begegnung mit einem Vertreter dieser Clans in einer anderen Stadt ihr Misstrauen begründet hatte, hielt Lionel eher für unwahrscheinlich. Denn die wenigstens solcher Begegnungen wurden von dem betroffenen Menschen überlebt und wenn doch, dann war sein Verhalten alles andere als normal, so wie das bei Natalja ja dann doch der Fall war.
Also wohl eher die Erziehung.
Er legte erneut die Fingerspitzen, einem Dachgebilde ähnlich, zusammen und blickte über diesen Giebel hinweg zu Natalja hinüber.
Er wartete, bis sie sich erklärt hatte, dann antwortete er freundlich: "Ich möchte keine Gegenleistung von Ihnen, Mademoiselle Nikolajewna. Betrachten Sie diese Einladung nicht als Ware, für die ein Preis bezahlt werden muss, sondern eher als kostenfreie Möglichkeit, einige Stunden zu gestalten. Wenn Sie möchten, können Sie diese Möglichkeit wahrnehmen, Sie können es aber auch ebenso gut unterlassen, ganz wie es Ihnen beliebt."
Er gab ihr Zeit, ein Antwort auf eine Aussage zu finden und konzentrierte sich währenddessen verstärkt auf die Musik, die an sein Ohr drang. Sein feines Gehör war selbst auf die Entfernung in der Lage, kleinste Verspieler oder Fehltöne auszumachen und den Instrumenten zuzuordnen. Selbst das dringende Bedürfnis der G-Saite der Violine nach ein wenig mehr Straffung konnte er erlauschen.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Di Nov 04, 2008 12:54 am

Er klang verärgert, nicht offensichtlich, aber trotz allem unterschwellig. Zumindest hatte Natalja das Gefühl, dass er es war.
Was sie ihm auch nicht verübeln konnte, im Prinzip. Denn sie selbst ärgerte sich oft genug über ihr eigenes Misstrauen, dass sie in ein starres Verhaltensmuster zwang und dem sie dennoch einfach nicht entkommen konnte.
Oft genug hatte sie an den anderen Tänzerinnen in der Gruppe gesehen, wie ein Verhältnis zu einem Mann aussehen konnte. Sobald er auch nur um eine Spur besser situiert war, stellte er mit der Zeit Ansprüche, die das Leben derart stark einschränkten, dass manche von ihnen sogar das Tanzen aufgegeben hatten. Oder aufgrund einer Schwangerschaft.
Schlimm traf es jene, die sich auf einen verheirateten Liebhaber einließen, wenn sich dann in ihnen echte Gefühle geregt hatten. Dann waren sie von Tag zu Tag unglücklicher geworden.
Alle jedoch hatten eines gemeinsam: das Ende ihrer Beziehung. Bisher hatte sie es nie erlebt, dass eine von ihnen das große Glück gefunden und geheiratet hatten. Nein, immer wurden sie fallen gelassen, nur die Gründe unterschieden sich. Mal war es einfach die Langeweile gewesen, die den Mann zu einer neuen Geliebten gezogen hatten, mal wiederum eine ungewollte Schwangerschaft.
Das wollte sie nicht erleben müssen, ganz egal, mit wem. Außerdem war es für sie unvorstellbar, dass sie tatsächlich glücklich sein könnte mit jemand an ihrer Seite, dem sie gefällig sein musste und für den sie nichts empfand.
Manche Tänzerinnen hatten Anfangs nicht einmal Sympathie für ihre Liebhaber empfunden!
Nein, da blieb sie lieber abweisend und misstrauisch, so wie sie war.
Allerdings wollte sie ihr Gegenüber auch nicht ernsthaft verärgern. Er war gut zu ihr gewesen und so wie es sich im Moment anhörte, tat er das auch... einfach so!
Wahrscheinlich hatte er seine Gründe, war wohl gelangweilt von seinem Leben, seiner Familie oder kurzerhand neugierig auf das Unbekannte. Denn sie glaubte nicht daran, dass er schon die Bekanntschaft mit vielen Tänzerinnen geschlossen hatte. Vielleicht war es auch beides, sie wusste es nicht.
Was die junge Frau hingegen wusste, war, dass sie den Anflug eines schlechten Gewissens bekam. Scheinbar hatte sie ihm nicht ausreichend genug zeigen können, dass sie ihm für all das durchaus dankbar war, nur eben nicht bereit, diese auch auf die eher gebräuchliche Art auszudrücken.
"Es tut mir leid, Monsieur, dass ich Sie falsch... eingeschätzt habe. Ich würde gerne den Louvre sehen mit seinen Räumlichkeiten und ich empfinde Ihre Anwesenheit als angenehm, allerdings hoffe ich, dass Sie ein wenig nachvollziehen können, dass es mir etwas schwer fällt zu glauben, dass Sie dies aus reiner Nächstenliebe tun." Ernst sah sie ihn an und baute darauf, dass diese ehrliche Antwort ihrer Beweggründe seine Laune wieder mildern konnte.
In Paris war sie alleine und eigentlich hatte sie hier nichts zu tun, langweilte sich ohnehin. Da war noch Janet, mit der sie sich demnächst ein weiteres Mal treffen würde. Und nun auch Monsieur de Cherzny-Dinan.
Irgendwie war Natalja nun doch überrascht, wie rasch sie für ihre Verhältnisse zwei Kontakte hatte knüpfen können und dann ausgerechnet noch zwei Personen aus der höheren Gesellschaftsschicht. Das war viel auf einmal für sie, die sonst noch niemals alleine in einer Stadt gewesen war, geschweige denn, mit Leuten außerhalb der Gruppe gesprochen hatte.
Abgesehen von dem Herren Talib und Simonne... Aber das war vorbei, zu ihrem großen Bedauern, und würde höchstwahrscheinlich auch nicht wieder kehren.
Also sollte sie es wirklich versuchen, andere kennen zu lernen.
Und vielleicht, wenn auch nur vielleicht würde sie trotz allem noch mit ihrem Vater irgendwann in Kontakt treten können, obwohl Madame Lilith ihr gesagt hatte, er hätte Paris bereits verlassen. Womöglich war er in der Zwischenzeit zurück gekehrt... Die Hoffnung darauf konnte sie einfach nicht vollständig aufgeben.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Di Nov 04, 2008 1:22 am

Lionel dankte inm Stillen seit langem einmal wieder Jade für seine Verwandlung, denn als Mensch wäre seine Geduld langsam erschöpft gewesen. Als Vampir jedoch, dem die Ewigkeit zur Verfügung stand, hatte er keinerlei Interesse daran, Natalja in irgendeiner Weise unter Druck zu setzen, ihre Zusage so schnell als möglich zu erhalten.
Grob betrachtet hätte er sogar den Rest ihres Lebens Zeit, seine Tochter besser kennen zu lernen, doch die Vorstellung, seine eigene Tochter erst als alte Frau wirklich zu kennen, schreckte ihn ab.
Allein schon die Vorstellung von einer gealterten Natalja wirkte seltsam auf ihn, was schon etwas heißen wollte. Seltsam war ihm schon lange nichts mehr vorgekommen.
Doch sich vorzustellen, dass ihr braunes Haar einst von den gleichen grauen bis weißen Strähnen durchsetzt sein könnte wie sein eigenes es war, dass ihre Haut fleckig werden und erschlaffen würde, die Eleganz ihrer Bewegungen sich zuerst verlangsamen und schließlich ganz verflüchtigen würde, wirkte selbst auf ihn sonderbar.
Genauso wie die Vorstellung, sie eines Tages sterben zu sehen. Er wusste nicht, welche Auswirkungen sein Vampirismus auf sie hatte, da es ihm bisher noch nicht gelungen war, in Bibliotheken und anderen Archiven einen ähnlichen Fall zu finden und analysieren, und so wusste er auch nicht, ob sie wirklich ein ganz normales Leben führen und an dessen Ende schließlich sterben konnte, noch ob sie überhaupt weiter altern würde. Zumal seine Überlegungen dadurch erschwert wurden, dass sie offensicherlich bisher wie ein ganz normaler Mensch gealtert war.
Ohne einen Vergleich, überhaupt einen Anhaltspunkt zu haben, war es schwer, sich ihre Zukunft auszumalen.
Offenbar kam es nur äußerst selten zu Verbindungen zwischen Menschen und Vampiren, die mit Kindern gesegnet waren, soweit man dies einen Segen nennen konnte.
Vermutlich lag das nicht so sehr an dem menschlichen Part der Beziehung, sondern eher an der Rücksichtslosigkeit und Brutalität anderer Vampire.
Innas und seine Vebindung hatte jedoch diese junge Frau, die hier vor ihm saß, hervorgebracht und nun lag es an ihm, ihr dieses Wissen nahezubringen und dies ging nur, indem er zuerst ihr Vertrauen erwarb.
Was, ganz offensichtlich, keine ganz leichte Aufgabe war.
"Ich kann ihre Haltung voll und ganz verstehen, Mademoiselle.", erwidert er.
Anzufügen, dass ihm, hätte er das gewollt, jede Menge gute Überzeugungsarbeit leistende Mittel zur Verfügung gestanden hätten, um sie seinem Willen zu unterwerfen, hielt er für keinen guten Weg, ihr Vertrauen zu gewinnen und aus diesem Grund ergänzte er stattdessen : "Meine Beweggründe Sie einzuladen mögen Ihnen unzulänglich erscheinen, doch ich kann nur erneut betonen, dass ich lediglich einer russischen Dame die Möglichkeit geben möchte, einige der bekanntesten und berühmtesten Kunstwerke aus ihrer Heimat kennen zu lernen, nichts weiter."
Er sprach ruhig und gelassen, ohne seiner Stimme durch das Einfließen besonderer Emotionen einen Ausdruck zu geben, der sie womöglich erschrecken konnte.
Natalja schien offensichtlich nicht nur misstrauisch zu sein, sie hatte scheinbar auch den Hang ihrer Eltern zur Sturheit geerbt. Was an sich eigentlich nicht verwunderlich war, denn sowohl Inna, als auch Lionel waren Kompromissen oder gar dem Nachgeben nicht besonders aufgeschlossen gewesen.
Allerdings hatte sich dieser Wesenzugs seines Charakters in den vergangenen Jahren auch ein wenig gewandelt.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Di Nov 04, 2008 4:16 pm

Für einen kurzen Moment konnte Natalja ihre Erleichterung nicht verhehlen, sodass sie sich deutlich auf ihrem Gesicht abzeichnete. Sie war froh darüber, dass er zumindest vorgab, sie zu verstehen.
Dann jedoch sagte er etwas, das ihr Herz höher schlagen ließ vor Freude. Es war genau jenes Tüpfelchen auf dem i, das noch gefehlt hatte, sie endgültig zu überzeugen.
Gemälde über ihre Heimat? Wie sehr sie sich danach sehnte, genau jene endlich wieder zu sehen. Da wäre es ihr die reinste Glückseligkeit, Bilder davon sehen zu können.
Ob die Künstler auch ihre Verbundenheit geteilt hatten? Ob sie die schönen Landschaften tatsächlich so haben einfangen können, wie sie als Russin sie selbst sah? Und welche Motive hatten sie denn womöglich gewählt? Am schönsten für sie waren immer die kalten Winternächte mit ihren Sternen und dem glitzernden Schnee gewesen. Konnte man so etwas überhaupt auf eine Leinwand bannen?
Gerne hätte sie sofort zugesagt, dank dieses Umstandes.
Dann allerdings siegte ein weiteres Mal das Misstrauen in ihr. Wenn sie jetzt gleich zeigte, wie er sie am besten überreden konnte, würde er sich das merken und vielleicht auszunützen wissen.
Die junge Frau wollte ihrem Gegenüber keine Böswilligkeit unterstellen und trotzdem konnte sie nicht umhin, noch ein wenig die Unentschlossene zu miemen.
So versuchte sie, ihrem Gesicht den Ausdruck von diesem Gefühl zu verleihen und seufzte auf eine Art, dass er es zwar hören konnte, es aber eher wie unbeabsichtigt zu laut geraten wirkte. "Ich danke Ihnen wirklich für Ihr Angebot, jedoch... ich weiß nicht so recht."
Es fiel ihr schwer, diese Haltung aufrecht zu belassen und suchte nach einer Möglichkeit, ihr Interesse unterschwellig zu bekunden, sich aber gleichzeitig nicht zu verraten.
Schließlich kam ihr eine Idee. "Wann..." Sie schluckte, als müsste sie sich zu diesem Zugeständnis zwingen. "Wann würden Sie denn einen derartigen Besuch ausführen wollen? Ich möchte Sie auf keinen Fall von Ihren geschäftlichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen abhalten!"
Irgendwie fühlte sie sich in einem verborgenen Teil ihrer Selbst geschmeichelt, dass ein Mann seines Standes sich für sie interessierte.
Doch sie wollte sich nicht ausmalen, wie es sein würde, wenn sie gemeinsam von jemand gesehen wurden, der Monsieur de Cherzny-Dinan kannte. Sie konnte nicht einschätzen, was dann geschehen würde, ob er sie verleugnen würde aus Scham um seinen Ruf oder ob der Bekannte durch den Standesunterschied das Falsche annehmen würde.
Das wäre für sie hochgradig peinlich, letzteres stärker als ersteres und sie würde dieser Situation nur zu gerne entgehen. Hoffentlich hatte sie Glück!
Was würde eigentlich Adrienne dazu sagen? Ihr musste sie unbedingt von der Begegnung schreiben, teilweise auch, um vielleicht heraus finden zu können, wie das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Gegenüber wirklich gewesen war.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Mi Nov 05, 2008 4:23 pm

Nataljas Erleichterung blieb Lionel nicht verborgen und ließ ihn wieder Hoffnung schöpfen, dass sie doch noch vor dem Anbruch einer neuen Eiszeit auf einen grünen Zweig kommen würden.
Ihr Erleichterung zeigte ihm aber auch die große Verbundenheit, die sie zu ihrem Land fühlte, ein Gefühl, das Lionel über die Jahre so ziemlich abhanden gekommen war. Nach all den Ländern, die er bereist und besucht hatte, den Menschen, die er dort getroffen und an deren Leben er Anteil genommen hatte, waren sie ihm alle so vertraut geworden, dass keines mehr das besondere Heimatgefühl erzeugte. Natürlich mochte er nicht alle Regionen der Erde gleich gern. Es gab unter den zahlreichen, so unterschiedlichen Ländern seine Favoriten, zu denen unter anderen natürlich Frankreich und Russland gehörten, aber auch Ägypten hatte ihm sehr gefallen, wenn es auch in diesen Bereichen der Erde schwer war, der Sonne aus dem Weg zu gehen.
Die ägyptische Nacht allerdings war einzigartig und fand in Europa keinen Vergleich. Es war dann wesentlich kühler, manchmal wehte sogar ein leichter Wind, der den Duft der nur in diesen Breiten heimischen Tiere und Pflanzen vor sich hertrug und die Dunkelheit der Nacht war nicht so schwarz und undurchdringlich wie im Norden. Zudem hatte sich Lionel in Ägypten ein ganz neuer Bereich an Wissen eröffnet, den es zu erobern gegolten hatte und er war sicher eine der ganz wenigen Personen auf der Welt, die von sich behaupten konnten, die komplette Bibliothek von Kairo durchgelesen und im Kopf behalten zu haben.
Allerdings schien ihm das alles nichts gegen die Sturheit seiner Tochter zu helfen, die sich offenbar in den Kopf gesetzt hatte, sich noch ein wenig weiter zu zieren.
Allerdings schwächte letztere ihrer Aussagen diesen Eindruck ab.
"Wenn ich meine Verpflichtungen richtig im Kopf habe, stünde einem Besuch des Louvres am 18.07. nichts im Wege. Ist Ihnen dieser Termin recht, sollten Sie sich entschließen, ihn wahrzunehmen?", erwiderte er höflich, doch eine mögliche Erwiderung Nataljas wurde durch das Herannahen des Obers unterbrochen.
"Darf ich Ihnen noch etwas bringen?"
Lionel warf einen kurzen Blick zu Natalja und antwortete, nachdem er ihr leichtes Kopfschütteln wahrgenommen hatte : "Die Rechnung, si'il vous plaît, monsieur."
Der Ober nickte diensteifrig und kehrte nach wenigen Minuten mit einer Mappe, die in etwa halb so groß war wie jene, die das Menue enthalten hatte, zurück. Auch diese war auch feinstem Kalbsleder gefertigt und gab, als Lionel sie aufklappte, den Blick auf einen cremefarbenen Bogen Papier frei, der den Preis verkündete.
Ohne aufgrund dessen absolut unverschämter Höhe auch nur eine Miene zu verziehen und die Summe vor Nataljas Blick verbergend, nickte Lionel und reichte dem Ober das gewünschte, zusammen mit einem nicht zu geringen Trinkgeld.
"Merci beaucoup, Monsieur. Ich wünsche noch einen angenehmen Abend. Gute Nacht, Madame.", verabschiedete sich dieser dann galant und entschwand.
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Mi Nov 05, 2008 9:07 pm

Die Tänzerin brauchte ein wenig Zeit zum Überlegen, besser gesagt, sie tat so, als könnte sie nicht sofort zusagen. Hinzu kam, dass der Ober an ihren Tisch heran trat und ihr Gegenüber nun sowieso abgelenkt war.
Dass er nach der Rechnung verlangte, erstaunte sie nicht, denn auch sie fühlte, dass sie beinahe schon etwas zu lange hier waren.
Außerdem wurde sie allmählich müde und noch dazu meldete sich in ihr ein gewisses Bedürfnis. Der Tee zusammen mit der Suppe zeigte langsam, aber sicher seine Wirkung.
Das würde ihr natürlich noch mehr Bedenkzeit verschaffen.
Also nutzte sie die Chance, die sich ihr gerade bot. Als sich der Ober gerade entfernte, erhob sie sich und meinte leise, fast schon ein wenig zu gedämpft, denn es war nicht sonderlich angenehm, so etwas einem fremden Mann zu sagen:"Entschuldigen Sie mich bitte für einen Moment, Monsieur."
Und drehte sich auch schon um, um den Saal zu durchqueren.
Am Ausgang musste sie jedoch dann trotzdem nachfragen, wo es zu den Waschräumen ging.
Es war nicht besonders weit und Natalja war überrascht, wie stilvoll selbst dieser Raum eingerichtet worden war. Na ja, bei der betuchten Kundschaft durfte sie sich eigentlich über nichts wundern.
Es gab eine Wand mit Waschbecken und einem undurchbrochenen Spiegel. Da wollte sie nachher noch schnell ihr Äußeres überprüfen, allerdings musste zuerst etwas anderes erledigt werden.
Zum Glück war sie die gesamte Zeit über allein in diesem Raum. Sie wollte sich nicht irgendwelchen abwertenden Blicken aussetzen müssen, die allein aufgrund ihres Kleides bestimmt auf sie gefallen wären.
Nachdem sie sich die Hände rasch gesäubert hatte, sah sie sich prüfend ihr Ebenbild an. Ihre Frisur hatte sich um eine Winzigkeit gelockert, höchstwahrscheinlich durch den Walzer, doch das war nicht weiter schlimm. Und da sie keinerlei Schminke trug, war auch nichts verwischt.
Leise seufzend senkte sie den Kopf und schloss kurz die Augen.
War es wirklich richtig, diesen Besuch in den Louvre zu wagen? Sie würde ja schon gerne, neugierig war sie auch, aber irgendwie... es war einfach seltsam!
Mit ihrer Frage, warum Monsieur de Cherzny-Dinan sich überhaupt für sie interessierte, war sie um keine Spur weiter gekommen. Die Worte direkt auszusprechen durfte sie natürlich nicht, das wäre unerhört. Also musste sie sich gedulden und wohl einfach einmal abwarten, was kommen würde.
Und bis zum 18. hätte sie ohnehin noch ein wenig Zeit zum Nachdenken.
Die junge Frau sah sich noch mal im Spiegel an und nickte sich selbst zu.
Ja, so würde sie es machen und fertig!
Gefestigt verließ sie den Raum wieder und kehrte zu ihrem Tisch zurück. Sie konnte zwar noch sehen, dass ihr Begleiter bezahlte, aber nicht, wie viel es war.
Der Ober bedankte sich und grüßte, sie gab die Worte eher automatisch zurück. Dabei blieb sie noch stehen, denn so wie es aussah, war der Aufbruch nahe und da wollte sie sich nicht für wenige Sekunden lediglich hinsetzen.
Die Tänzerin hatte sich wieder im Griff und konnte so ein feines, nicht zu selbstsicher wirkendes Lächeln auf ihre Lippen zaubern.
"Ich danke Ihnen für die Einladung, Monsieur." Damit meinte sie, dass er für sie gezahlt hatte, obwohl er ihr das schon vorhin zugesichert hatte. Aber nun hatte er es wirklich getan, deswegen wollte sie es noch einmal erwähnen. "Und ich denke, der 18. Juli ist ein geeigneter Tag für so einen Ausflug. Da ich nicht so eng gebunden bin, um welche Uhrzeit würden Sie denn zur Verfügung stehen?"
Ob er so wie heute einen späteren Zeitpunkt vorschlagen würde? Vielleicht war das ja eine Macke von ihm, dass er sich für Vergnügungen stets den Abend freihielt? Oder lag es daran, dass er so am wenigsten mit ihr gesehen werden könnte?
Irgendwie ahnte Natalja, dass sie nicht an einem Vor- oder frühen Nachmittag den Louvre betreten würde.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Do Nov 06, 2008 3:38 pm

"Bedauerlicherweise steht mir erneut nur der Abend zur Verfügung, Mademoiselle. Wie wäre es mit 20.15 Uhr?", erwiderte Lionel, nachdem Natalja zurückgekehrt war und er sich ebenfalls erhoben hatte.
Eigentlich war es um kurz nach acht Uhr abends für ihn noch nicht dunkel genug, doch aus Erfahrung wusste er, dass es Straßen in Paris gab, die um diese Uhrzeit nicht mehr vom Licht der sich neigenden Sonne berührt wurden und der Weg zum Louvre für ihn in dieser Hinsicht nicht wirklich problematisch werden konnte.
Mit dieser Beschränkung seines Daseins hatte er sich mittlerweile, so wie mit den meisten anderen Beschränkungen auch, arrangiert und Wege gefunden, um sie als so wenig störend wie möglich nicht zu überschreiten.
Auch das der Louvre generell bei einem solch späten Eintritt zu früh schloss, um alle Kunstwerke betrachten zu können, stellte für ihn an diesem Abend kein Problem dar. Zufällig ergab es sich, dass die in Paris übliche Lange Nacht der Museen genau auf den achtzehnten fiel und sie sich somit um die Öffnungszeiten keine Sorgen zu machen brauchten.
Lionel nützte die Möglichkeit, die zahlreichen Pariser Museen spätabends bis in die Nacht hinein besuchen zu können, eigentlich jedes Mal, denn wenn sich eine solche Möglichkeit bot, wäre es für ihn einer Sünde gleichgekommen, sie nicht zu nützen.
Allerdings war er mit dieser Gesinnung nicht allein, wenngleich die anderen Besucher die Ausstellungen auch sicher aus anderen Gründen nicht tagsüber besichtigten. Der Andrang war bei solchen außergewöhnlichen Öffnungszeiten stets recht groß, denn es bot sich hier der feinen Gesellschaft wieder einmal die Gelegenheit, zu sehen und gesehen zu werden und im gleichen Zuge Bildung zur Schau zu stellen.
Da er aber vermutete, dass Natalja nicht über diese Sonderöffnung im Bilde sein würde, und sie sich sicher über die späte Uhrzeit wunderte, ergänzte er erklärend: "An jenem Abend bietet sich aufgrund der Langen Nacht der Museen die seltene Gelegenheit, den Louvre auch bis in die Nacht hinein besichtigen zu können."
Nataljas Erwiderung wurde durch das Herannahen eines anderen Obers mit Lionels Gehrock unterbrochen.
Ihm einen knappen Dank zollend, nahm Lionel das Kleidungsstück entgegen und schlüpfte mit einer raschen, eleganten Bewegung hinein. Geschickt schlossen seine langgliedrigen Hände die silbernen Knöpfe und nicht nur aufgrund dieser Tatsache wurde sichtbar, dass es sich um ein maßgeschneidertes Stück handelte. Der dunkle Stoff schmiegte sich perfekt an seine hochgewachsene Gestalt an und betonte deren beeindruckendes Wesen. Auch die Länge des Kleidungsstückes war perfekt und nicht, wie bei den meistens Stücken, die er nicht von Hand schneidern ließ, zu kurz.
Kurz überprüfte Lionel anhand seiner ebenfalls silbernen Taschenuhr die Zeit, dann richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Tochter.


Zuletzt von Lionel de Cherzny-Dinan am Fr Nov 07, 2008 10:06 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Beitrag  Natalja Nikolajewna Fr Nov 07, 2008 1:02 am

Natalja wunderte sich über zwei Dinge. Einerseits machte ihr Begleiter keinerlei Anstalten, sich zu erheben und mit ihr das Restaurant zu verlassen.
Hatte sie sich getäuscht? Wollte er nach dem Zahlen etwa noch verweilen? Aber warum hatte er dann überhaupt schon die Rechnung beglichen? Wollte er so lediglich vermeiden, dass sie auf die Idee kam, doch noch einen Tee zu trinken? Das war Blödsinn, das wurde ihr im selben Moment klar, wie sie sich diese Frage stellte. Oder hatte er einfach nur den Ober loswerden wollen, anstatt selbst noch etwas zu bestellen? Das konnte sie sich schon eher vorstellen.
Auf der anderen Seite verwunderte sie sich darüber, dass er um eine derart späte Uhrzeit in den Louvre gehen wollte.
Hatte das Museum um diese Zeit denn nicht schon geschlossen?
Die Tänzerin kannte sich nicht sonderlich gut mit den Öffnungszeiten von derartigen Örtlichkeiten aus, doch die meisten Menschen gingen gewöhnlich um die Zeit von der Arbeit nach Hause, in welcher sie erst damit begann. Da war es seltsam, obwohl es sie nicht überraschte, dass sich ihre Vermutung bestätigte und er erst frei für ein Treffen mit ihr am Abend wäre.
Das brachte zwar ihren gewohnten Lebensrhythmus nicht sonderlich durcheinander, unangenehm begann es jedoch trotzdem zu werden.
Warum standen einem Mann der höheren Gesellschaftsschicht stets nur die späten Stunden zur Verfügung, wenn er gleichzeitig vorgab, nichts Zudringliches von seiner Begleitung zu wollen? Und wie lange hätten sie dann überhaupt Zeit, sich die Kunstwerke anzusehen?
Sie wusste nicht, wie groß der Louvre war und sie wollte sich auch nicht hetzen lassen.
Also wollte sie es trotz besseren Wissens versuchen, ihn zu einem früheren Treffpunkt zu überreden.
Aber Monsieur de Cherzny-Dinan kam ihr zuvor mit seinen Worten.
Unwillkürlich runzelte sie zweifelnd ganz leicht die Stirn.
Anscheinend war sie leicht zu durchschauen oder diese Behauptung entsprach der Wahrheit. Beides war möglich und zu seinen Gunsten wollte sie letzteres lieber annehmen. Außerdem hatte sie eine dumpfe Ahnung, schon einmal von so einem speziellen Angebot in Paris gehört zu haben.
Dennoch wollte sie noch etwas nachhaken in diesem Punkt:"Und wie lange wird der Louvre an diesem Tag zugänglich sein?" Das war ihr ein Bedürfnis zu erfahren, eben für den Fall, dass sie sich länger dort aufhalten würde.
Was sie glaubte, denn er hatte vorhin nicht so geklungen, als gäbe es lediglich ein Gemälde von ihrer Heimat.
Allerdings wollte sie noch etwas heraus finden, so ganz konnte sie die Möglichkeit noch immer nicht ausschließen, dass er sie irgendwie belog. "Wissen Sie denn, ob das Museum zu dieser Zeit gut besucht sein wird? Was denken Sie?"
Hinzu kam, dass sie sich einerseits unwohl fühlen würde, wenn sie mit ihrem Gegenüber alleine dort sein würde. Und andererseits war ihr zu viel Publikum ebenfalls nicht Recht, für den Fall, dass jemand den Monsieur kennen und sich die falschen Dinge denken könnte.
Noch dazu war für sie fraglich, was für eine Art von Besuchern den Louvre um diese Zeit besichtigen würde. Ob es eher die Oberschicht sein würde, so wie ihr Gegenüber, oder eher die Leute, die diese Zeit nach der Arbeit nützen wollten? Würde sie dort sehr auffallen, wenn sie sich mit einem adeligen Mann, der ungefähr doppelt so alt sein musste wie sie, zeigte?
Indes erfuhr die junge Frau endlich, warum sie noch hier verharrten. Ihrem Begleiter wurde seine Kleidung gebracht und er konnte sich anziehen.
Also würde es wohl nicht mehr lange dauern, bis sie das Restaurant verlassen würden.
Ob er für sie eine Kutsche rufen würde? Nein, lieber nicht, das würde sie bestimmt etwas kosten. Vielleicht würde er sie zu Fuß noch begleiten bis zur Herberge?
Auch wenn sie ihm gegenüber noch immer misstrauisch und sich über seine Beweggründe nicht vollständig sicher war, war ihr seine Gesellschaft um diese Zeit weitaus lieber, als alleine in der Gasse zu sein. Die gestrige Begegnung mit den drei Männern saß ihr noch im Nacken und verursachte ein ungutes Gefühl in ihrer Magengegend.
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Beitrag  Lionel de Cherzny-Dinan Mi Nov 26, 2008 10:19 pm

Sorgfältig auf das wertvolle Stück bedacht, auf dessen Rückseite Lionels Name in das Silber graviert war, schoben seine langgliedrigen Finger die Taschenuhr zurück in seine Tasche und schlossen diese dann mit einem ebenfalls silbernen Knopf, auf dessen Oberfläche sein Adelswappen geprägt war.
Anschließend richtete sich der Blick seiner dunklen, blaugrauen Augen auf seine Tochter und er antwortete, während er ihr den Arm hinhielt, um sie zum Ausgang zu geleiten : "Da sich die Öffnungszeit an diesem besonderen Tag bis etwa 24 Uhr hinzieht, wird das Museum recht gut besucht sein. Nicht überlaufen, denke ich, aber sie brauchen keinesfalls die Befürchtung haben, ich würde Sie des nachts in ein leeres Museum entführen.."
Sein Ton war weiterhin freundlich, doch seine Worte deuteten an, dass ihm ihr Misstrauen langsam ein wenig überflüssig, wenn nicht sogar störend vorkam.
Er konnte ihr Verhalten nachvollziehen und verstehen, aber es ging ihm mehr und mehr im Weg um und er fand auch, dass er ihr mehr als genug Beweise lieferte, dass seine Absichten ehrenhaft und ausnahmslos schlicht freundlicher Natur waren.
Aber augenscheinlich standen ihr durch Vorträge und eigene Erfahrung Gelerntes im Weg.
Doch er hatte Geduld und Zeit, Zeit genug ihr lästiges Misstrauen zu zerstreuen.
Nachdem sie ihren Arm durch die von seinem gebildete Beuge geschoben hatte, führte er sie durch die doch recht eng stehenden Tische zum Ausgang, ohne auch nur einen von ihnen leicht zu touchieren.
Neben der prunkvollen Pforte stand der schmale, befrackte Jüngling und verabschiedete sich mit einer doch noch recht ungelenken Verbeugung. Lionel nickte ihm kurz zu und trat dann mit Natalja durch die offen gehaltene Tür.
Die trotz der späten Stunde noch sommerlich laue Luft schlug ihm entgegen und mit ihr die zahlreichen Gerüche, die Paris' Straßen so zu eigen waren. Einige waren weniger angenehm als andere, doch zum Glück wurden erstere in den feineren Straßen wie der diesen durch zweitere überdeckt.
Lionel wandte sich an Natalja, ein zurückhaltendes Lächeln auf den Lippen : "Gestatten Sie mir, Ihnen eine Droschke zu ihrer Bleibe zu spendieren oder bevorzugen Sie den Weg zu Fuß?"
Im warmen Licht der nahen Straßenlaterne schimmerte ihr normalerweise ins Braune gehendes Haar golden auf und die weniger schmucken Stellen ihres braunen Kleides, wie beispielsweise die abgewetzten Stellen an Ellenbogen und Kragen wurden kaschiert.
Ein Passant schenkte dem ungleichen Paar vor dem Restaurant einen kurzen Blick, der sich allerdings eingehender mit Natalja beschäftigte als mit ihrem Vater. Er schien sich allerdings, nachdem er diesen doch kurz gemustert hatte, zu entschließen, ihre Konversation lieber nicht zu unterbrechen und setzte seinen eingeschlagenen Weg fort.
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